Was Sie erwartet

Nicht immer geht es um die Frage der Begabung. Schwierigkeiten in der Schule oder in der Familien sind belastend. Eltern kommen nicht mehr klar und fühlen sich überfordert.

Oft wirken Kinder einfach unglücklich. Wir klären gemeinsam warum das so ist und wie Sie Ihre Kinder unterstützen können.

 

 

Der Schlaue ist oft der Dumme


Schwache Schüler sind oftmals sogar hochbegabt.

Ein Praxisbericht.

Lukas ist elf Jahre alt und geht in die vierte Grundschulklasse. Nach den Sommerferien sollte er eigentlich auf das Gymnasium. Doch in letzter Zeit hagelt es nur noch Fünfen. Schon dreimal wurden seine Eltern zu einem Gespräch zur Lehrerin zitiert. Er beherrsche zwar den Unterrichtsstoff, berichtete diese, doch er arbeite im Unterricht einfach nicht mit. Auch die Hausaufgaben macht er nicht. Seine Eltern sind ratlos. Dabei ist die Sache ganz einfach: Lukas ist hochbegabt.

„Warum soll ich denn meine Hausaufgaben machen, wenn ich schon alles kann? Und wenn ich eine Eins schreibe, nennen mich alle Streber“, vertraut sich der elfjährige Schüler Katharina Heide an. Die Diplom-Sozialpädagogin und Psychologin aus Dollern wurde von Lukas Eltern auf den Plan gerufen, weil diese nicht mehr weiter wussten. Mit ihrem Institut für Hochbegabte hat sich die 48-Jährige auf Lernblockaden und Verhaltensauffälligkeiten spezialisiert. „Schulverweigerung, Hausaufgabenstress, emotionaler Krieg, Planlosigkeit und Wahrnehmungsveränderungen, Träumereien und Vergesslichkeit – all das können Hinweise für eine Hochbegabung des Kindes sein“, weiß sie aus ihrer 15-jährigen Praxis. „Schwache Schüler müssen nicht dumm oder faul sein, es könnte sich eine Hochbegabung hinter ihren scheinbaren Defiziten verbergen. Meistens wissen die Betroffenen selbst nicht um das Begabtsein. Sie halten sich häufig sogar für dümmer.“
Zwei bis drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind geistige Sprinter. Im Sport werden die ganz Schnellen gefördert, um ihr besonderes Talent zu optimieren. Wie aber ist das, wenn es nicht ums Laufen, sondern ums Denken geht? Rund 80 Prozent aller Menschen verfügen über einen Intelligenzquotienten (IQ) der zwischen 85 und 115 liegt. Ein IQ jenseits der 130 deutet auf Hochbegabung hin. Intelligenz allein macht aber noch keine Begabung: Hinzukommen muss die Fähigkeit, kreativ mit der eigenen Intelligenz umzugehen. Und es muss die Motivation vorhanden sein, die Intelligenz auszuschöpfen. Eine Hochbegabung kann sich nur richtig entwickeln, wenn ein Kind aus eigenem Antrieb und mit Spaß am Lernen daran arbeitet.
Wichtig ist auch das Umfeld: Ein sprachlich hochintelligentes Kind aus einer Familie, die nichts von Büchern hält, wird seine Fähigkeiten verstecken. Eine überdurchschnittlich begabte Schülerin, deren Fragen, Anregungen und Denkanstöße von den Lehrern ignoriert oder zurückgewiesen werden, wird sich in Lethargie oder Protest zurückziehen. Ein wissenschaftlich hoch interessierter Schüler, der von seinen Mitschülern als Streber betrachtet wird, wird resignieren und sich vielleicht in eine psychosomatische Krankheit flüchten. Familie, Schule und Freunde müssen die Begabung gut heißen und das Kind ermutigen, zu seinen Talenten zu stehen, damit es sie selbstbewusst entwickeln kann.
Lukas‘ Eltern konnten die Symptome ihres Kindes nicht einordnen. Katharina Heide half ihnen innerhalb der Familie mit einer umfassenden Diagnostik und mit Verhaltenstipps weiter. Kern ihrer Arbeit ist die Vermittlung und Erprobung von Hilfestellungen zur Selbsthilfe.

Sie begleitete die Eltern zur Schule und führte ein intensives Gespräch mit der Lehrerin, um eine Lösung für die Schulprobleme von Lukas zu finden, der nach Auffassung von Katharina Heide zu den Hochbegabten zählt. Um die Situation eindeutig zu belegen, machte sie ein Testverfahren. Das Ergebnis des Intelligenz-Testes besprach sie nach der Auswertung ausführlich mit Lukas und seinen Eltern und entwickelte daraus einen Plan, nach dem künftig zu Hause und in der Schule weiter gearbeitet wird.  „Nicht selten sind schwierige Kinder hochbegabt. Sie können bei entsprechendem Training ihre Lernblockaden lösen.  Der Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten  will gelernt sein.
Daher ist die Ursachenforschung so wichtig.  Die Diagnose der individuellen Lernstruktur  ist wichtig.Tests sind immer dann notwendig, wenn befürchtet wird, das Kind mit einem Schritt wie vorgezogener Einschulung oder Überspringen einer Klasse zu überfordern oder wenn ein Kind Auffälligkeiten zeigt, hinter denen sich eine besondere Begabung verbergen könnte“, so Katharina Heide.
„Ich komme zu den Familien nach Hause, bespreche die Probleme mit allen Beteiligten in gewohnter Umgebung, decke Schwachstellen auf und finde Lösungen. Bei den Kindern und Jugendlichen ist mein Therapiegarten besonders beliebt. Die Wahrnehmung mit allen Sinnen steht hier im Vordergrund. Zwischen exotischen Kräutern, Zitronenbäumen und verschiedensten Minze-Sorten blühen die Kinder richtig auf. Der Riech- und Tastsinn und das entspannte Wohlgefühl im Duftmeer pustet neben den Konzentrationsübungen den Kopf frei für neue Denk-Strukturen und Verhaltensmuster“, erklärt Katharina Heide – und ergänzt: „Hochbegabte Kinder verfügen über ein großes Leistungspotenzial, aber sie brauchen Methoden und Techniken, um es richtig einsetzen zu können. Wird eine Hochbegabung nicht ausreichend gefördert, kann sie zur Behinderung werden.“

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