Terapiegarten in Dollern
Heilung: Eine Schule für die Sinne
Es soll immer wieder vorkommen, dass Gartenbesitzer Grünflächen anlegen, ohne ihre Nachbarn einzubeziehen. Wie Katharina Heide. Ohne den fachlichen Beistand der Anwohner in Dollern riss die frisch Zugezogene Eibe und Wacholder im Vorgarten aus, so dass nur die bloße Krume blieb. Ein Affront in dem Dorf zwischen Stade und Buxtehude, wo das Grün rechts und links der Straße immer prächtig in Schuss ist. Inzwischen wächst in Heides Garten Salbei, Liebstöckl und Brasilianischer Pfeffer; zwischen dem Kopfsalat lugt Pfefferminze hervor, die sich unterirdisch ihren Weg gebahnt hat. Wer der Nase folgt, landet hinten auf der Terrasse, auf der stattliche Zitronen- und Mandarinenbäume in Terrakottakübeln wachsen. Mediterrane Pflanzen, die man in norddeutschen Gärten eher nicht vermutet und die im Gewächshaus überwintern. „Kräuter und Düfte faszinieren mich halt“, sagt Katharina Heide, deren Garten eine Kur für die Sinne ist und den sie deshalb tagtäglich für die Therapie von Kindern nutzt, denen das Lernen schwer fällt. „Sich zu konzentrieren, sich etwas zu merken und auch später intensiv zu erinnern lernen die Kinder bei mir durch die Betrachtung und Pflege von Grünzeug“, erklärt Katharina Heide
Katharin Heide lässt ihre Schützlinge in den Beeten Düfte schnuppern, Blätter befühlen und die Vielfalt von Grüntönen betrachten. Beim nächsten Besuch beschreiben die Schüler ihre Eindrücke aus dem Gedächtnis. Sie sollen durchaus auch selbst Hand anlegen, Setzlinge zurechtlegen, Pflanzen teilen, Samen gewinnen. „Wer umpflanzt und sieht, dass die Pflanzen das aushalten, hat auch keine Angst, den eigenen Standpunkt zu verändern“, glaubt Katharina Heide. Ein Garten, der sich ständig ändere, ermutige auch zu persönlicher Flexibilität – was vielen ihrer Zöglinge schwer falle. Nach einigen Monaten Gartenarbeit lernten jedoch auch schwierige Kinder, das Alte zu achten und das Neue willkommen zu heißen. Das klingt simpel und Katharina Heide nennt ihren Ansatz denn auch vorsichtig Training statt Therapie. Interessierte Eltern müssen die Behandlung selbst bezahlen, da die Krankenkasse solche Experimente nicht finanziert. Was die Beschäftigung mit Pflanzen im Kopf eines Menschen auslöst, ist schließlich kaum erforscht, dennoch haben „Therapiegärten“ in Krankenhäusern, Altenheimen und sogar Gefängnissen Konjunktur. „Offenbar tut der Umgang mit Grün Körper und Seele gut“, sagt die erfahrene Gärtnerin und blickt sorgenvoll auf die eingerollten Blätter des Zitrus-Baums. Manchmal muss sie eben am Morgen erst einmal ihr Grün wie eine Krankenschwester umsorgen, bevor nachmittags die menschlichen Schützlinge kommen.
Greenpeace Kirsten Brodde
LavendelFür manchen Schüler, oder Erwachsenen ist ein Gespräch oder ein Training in diesem Umfeld besser geeignet. Der Abstand zur Familie, die Ruhe und die Konzentrationsfähigkeit gelingen hier einfacher. Zum Beispiel bei Ehe- oder Familienproblemen.
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